Hochsensibel und hochbegabt – wenn du jahrelang glaubst, mit dir stimmt etwas nicht
- On 11. August 2026
- By Nicola
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Kennst du das Gefühl irgendwie anders zu sein?
Du denkst viel und oft sehr tief. Du nimmst Stimmungen wahr, bevor jemand etwas gesagt hat. Du hinterfragst Dinge, die für andere selbstverständlich erscheinen. Vielleicht bist du schnell begeistert, interessierst dich für vieles – und langweilst dich genauso schnell, wenn du etwas durchdrungen hast.
Und irgendwann fragst du dich:
Warum bin und fühle ich häufig so ich so anders als andere?
Ich kenne diese Frage sehr gut.
Heute weiß ich, dass viele Erfahrungen meines Lebens in einem vollkommen anderen Licht erscheinen, seitdem ich von meiner Hochsensibilität, Hochbegabung und Vielbegabung weiß.
Doch dieses Wissen hatte ich lange nicht.
Und deshalb glaubte ich viele Jahre: Mit mir stimmt etwas nicht.
Wenn du schon als Kind spürst: Ich bin anders
Als kleines Kind war ich lebendig, neugierig und sehr selbstständig. Gleichzeitig reagierte ich empfindlich auf bestimmte Reize. kratzige Kleidung oder Strumpfhosen beispielsweise konnte ich kaum ertragen.
Mit der Schule veränderte sich etwas…
Ich fühlte mich zunehmend unwohl und unverstanden. Wenn etwas für mich keinen Sinn ergab, hinterfragte und diskutierte ich. Was für mich der Wunsch nach Verstehen war, wurde im Außen schnell als schwieriges Verhalten wahrgenommen.
Später verweigerte ich zeitweise die Schule und meine Leistungen wurden schlechter.
Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, dass hinter diesem „schwierigen Mädchen“ eine Hochbegabung stecken könnte.
Am wenigsten ich selbst.
Denn auch ich dachte: hochbegabte Kinder sind hervorragend in der Schule, schreiben Einsen und lernen mühelos.
Heute weiß ich:
Hohe Intelligenz ist nicht gleich Hochleistung
Hochbegabte Kinder können durch Unterforderung, fehlende Passung und permanente Wiederholungen ihre Motivation verlieren. Manche ziehen sich zurück, verweigern sich oder zeigen deutlich weniger Leistung, als eigentlich in ihnen steckt. Durch die hohe Sensibilität spüren sie dass sie nicht dazu gehören, anders sind und fühlen sich zunehmend unwohler im schulischen Umfeld.
„Ich kann vieles – aber irgendwie nichts richtig“
Auch mein beruflicher Weg verlief alles andere als geradlinig.
Ausbildung, Fachabitur im sozialen Bereich, unterschiedliche Studienideen, BWL, Kundenservice, Personalwesen, Coaching …
Lange kann sich ein solcher Lebenslauf wie ein Beweis dafür anfühlen, dass man sich einfach nicht entscheiden kann und man nicht weiß, was man will.
Gerade vielbegabte Menschen – häufig auch Scannerpersönlichkeiten genannt – kennen dieses Phänomen. Sie interessieren sich für viele Bereiche, tauchen intensiv in Themen ein und suchen neue Herausforderungen, wenn sie etwas für sich durchdrungen haben.
Von außen wirkt das manchmal sprunghaft.
Innen fühlt es sich vielleicht eher so an:
„Ich kann vieles – aber was davon ist denn nun meins?“
Heute sehe ich diese Vielseitigkeit nicht mehr als Defizit.
Schwierig wird sie vor allem dann, wenn wir versuchen, uns in ein Lebensmodell zu pressen, das unserer Persönlichkeit nicht entspricht.
Hochsensibilität: Wenn du mehr wahrnimmst
Bei einer hohen Sensibilität kommen viele Reize besonders intensiv an: Geräusche, Gerüche, Licht, Berührungen, Emotionen, Stimmungen und feine Zwischentöne.
Du betrittst vielleicht einen Raum und spürst sofort:
Hier stimmt etwas nicht.
Niemand hat etwas gesagt. Nach außen scheint alles in Ordnung zu sein. Und trotzdem nimmst du eine Spannung wahr.
Besonders schwierig wird es, wenn wir schon als Kinder lernen, diesen Wahrnehmungen nicht zu vertrauen.
Ein Kind spürt beispielsweise einen Konflikt zwischen Erwachsenen. Es fragt nach und hört: „Da ist nichts.“
Was soll es glauben?
Der eigenen Wahrnehmung oder den Erwachsenen?
So kann mit der Zeit etwas sehr Entscheidendes verloren gehen: das Vertrauen in das eigene Gefühl.
Statt zu fragen: „Was nehme ich wahr? Was brauche ich?“, orientieren wir uns immer stärker am Außen.
Wenn Anpassung zur Lebensstrategie wird
Darin war ich sehr gut.
Ich konnte mich anpassen, funktionieren und mich auf mein Gegenüber einstellen. Ich nenne es manchmal meine Chamäleonfähigkeit.
Anpassung ist grundsätzlich wichtig. Problematisch wird sie, wenn wir uns dabei selbst verlieren.
Wenn wir ständig überlegen:
Wie muss ich sein, damit ich richtig bin?
Was erwarten die anderen von mir?
Wie falle ich bloß nicht negativ auf?
Und irgendwann kaum noch wissen:
Was möchte eigentlich ich?
Ich funktionierte viele Jahre auf diese Weise.
Bis mein Körper irgendwann nicht mehr mitmachte.
2013 kam mein Burnout. Rückblickend war er nicht plötzlich da. Schlafprobleme, Tinnitus, Rückzug und zunehmende Überforderung waren längst Warnsignale gewesen.
Doch ich machte weiter.
Bis es nicht mehr ging.
mein Sohn hielt mir den Spiegel vor
Nach der Geburt meines Sohnes begegnete mir zunächst das Thema Hochsensibilität.
Er war unglaublich wach, neugierig, reizoffen und voller Energie – und passte sich so gar nicht so an, wie ich es selbst gelernt hatte.
Während andere Kinder im Kreis saßen, erkundete er den Raum. Er beobachtete, untersuchte, stellte Fragen und wollte die Welt entdecken.
Das brachte mich immer wieder an meine Grenzen.
Heute weiß ich: Er berührte genau die Persönlichkeitsanteile in mir, die ich selbst über Jahre zurückgehalten hatte.
Meine Lebendigkeit. Meine Neugier. Mein Temperament.
Mein Sohn wurde zu einem meiner größten Lehrmeister.
Durch ihn und durch meine spätere Ausbildung beschäftigte ich mich intensiver mit Hochsensibilität, Vielbegabung und Hochbegabung.
Und plötzlich begann ich, mich selbst zu erkennen.
Als ich meine Hochbegabung schwarz auf weiß sah
Trotz meines Fachwissens fiel es mir lange schwer, meine eigene Hochbegabung anzunehmen.
Irgendwann ließ ich mich testen.
Als ich das Ergebnis vor mir sah, musste ich weinen.
Nicht, weil dort eine Zahl stand, die mir bewies, wie intelligent ich bin.
Sondern aus Erleichterung.
Plötzlich ergab so vieles in meinem Leben Sinn.
Mein komplexes Denken. Mein Anderssein. Meine Schwierigkeiten mit bestimmten Systemen. Die vielen Selbstzweifel.
Zum ersten Mal konnte ich meine Geschichte mit anderen Augen betrachten.
Nicht mehr nur:
„Was stimmt nicht mit mir?“
Sondern:
„Was wurde in mir vielleicht sehr lange nicht gesehen?“
Eine späte Erkenntnis ist nicht das Ende
Zu erkennen, dass man hochbegabt oder hochsensibel ist, löst nicht automatisch alle Probleme.
Im Gegenteil: Gerade bei spät erkannter Hochbegabung können zunächst Wut und Trauer entstehen.
Warum hat das niemand gesehen?
Was wäre möglich gewesen, wenn ich es früher gewusst hätte?
Welche Entscheidungen hätte ich vielleicht anders getroffen?
Deshalb beginnt mit der Erkenntnis häufig ein neuer Prozess.
Dabei geht es für mich nicht darum, endlich beweisen zu müssen, was man leisten kann.
Die viel wichtigere Frage lautet:
Wer bin ich, wenn ich mich nicht länger kleiner machen muss?
Zurück zu mir selbst
Diese Frage führte mich auch zurück zu meiner Kreativität.
Schon als Kind habe ich gemalt, Musik gemacht und Theater gespielt. Irgendwann verschwanden viele dieser Dinge aus meinem Leben.
Heute ist besonders das intuitive Malen für mich ein wichtiger Weg, wieder mit mir selbst in Verbindung zu kommen.
Beim Malen muss mein Kopf nicht alles lösen. Ich kann wahrnehmen:
Was ist gerade wirklich da?
Was fühle ich?
Was möchte ausgedrückt werden?
Wenn ich male, bin ich zu Hause in mir.
Und genau darin liegt für mich heute ein wesentlicher Schlüssel: nicht ständig im Außen nach der Antwort darauf zu suchen, wer wir sein sollen, sondern wieder zu spüren, wer wir eigentlich sind.
Vielleicht musst du nicht weniger werden
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, bedeutet das nicht automatisch, dass du hochbegabt, hochsensibel oder vielbegabt bist.
Aber vielleicht darfst du neugierig werden.
Vielleicht hast du viele Jahre versucht, weniger empfindlich, weniger intensiv, weniger kompliziert oder weniger vielseitig zu sein.
Dann lohnt es sich möglicherweise, andere Fragen zu stellen:
Was habe ich als Kind geliebt?
Bei welchen Tätigkeiten vergesse ich die Zeit?
Wo werde ich lebendig?
Welche Teile von mir habe ich irgendwann zurückgehalten, weil sie nicht ins Außen passten?
Genau deshalb arbeite ich in meinen Coachings gerne mit der eigenen Biografie. Nicht, um in der Vergangenheit stecken zu bleiben, sondern um wiederzuentdecken, was vielleicht schon immer da war.
Hochsensibilität, Hochbegabung und Vielbegabung müssen keine Schubladen sein.
Sie können vielmehr einen Raum öffnen, in dem du deine Geschichte neu verstehen lernst.
Und vielleicht verändert sich dann irgendwann die Frage:
„Was stimmt nicht mit mir?“
in:
„Wer bin ich wirklich – und was von mir möchte endlich gelebt werden?“
Wenn du dir Begleitung auf diesem Weg wünschst, unterstütze ich dich gerne dabei, deine Stärken sichtbar zu machen und dein Potenzial zu entfalten.
Ich freue mich auf dich!
Deine Nicola




